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Produktdesign von gestern: Ersatzhosentaschen und Regenkapuze

Manche Dinge ändern sich nie. So auch das Design von einigen Produkten. Manchmal findet man sie noch, im Supermarkt, im Baumarkt oder in der Handarbeitsabteilung eines Kaufhauses. Man schaut, ist erstaunt, erinnert sich und geht weiter. Ich habe die Produkte gekauft.

In meiner Kindheit habe ich unfreiwillig viel Zeit in Handarbeitsgeschäften verbracht. Meine Mutter war leidenschaftliche Näherin. Während ich mich unter den Hunderten verschiedenen Stoffen versteckte oder versuchte, alle Nähgarnrollen einmal umzudrehen, kauften fleißige Hausfrauen Knöpfe, Nadeln und Reißverschlüsse.

Inzwischen sind diese Läden dank H&M und andern billigen Textilien fast völlig verschwunden. Ich aber brauchte einen Klettverschluss. Was tun? Im Karstadt am Stachus findet sich noch eine solche Handarbeitsabteilung. Die Abteilung war erstaunlich gut besucht: Frauen über 60 und Damen arabischer Herkunft stöberten durch die Regale. Auf der Suche nach meinen Klettverschlüssen fanden sie sich dann, ganz unten links, die Relikte einer vergangen Zeit: Regencape und Ersatzhosentaschen.

Handarbeit in Produktdesign von gestern: Ersatzhosentaschen und Regenkapuze

Sofort griff ich zu. Die Regenkapuze, jahrelang Bestandteil älterer Damen mit gefärbten Haaren, kostete stolze 80 Cent. Dafür ist sie aber auch sportlich, praktisch, chic. Ich muss gestehen, ich habe mich für die Luxus-Variante entschieden. Es gab noch eine einfache Ausgabe ohne weiße Punkte und ohne Gummiband für 35 Cent.

Die Ersatzhosentaschen zielen dagegen ganz klar auf eine männliche Zielgruppe. Kein Nähen, kein Faden, nichts. Einfach, sauber, schnell. Die alten Taschen abschneiden, neue anbügeln, fertig ist die Hose für die nächsten zehn Jahre. Dafür kostet der Spass aber auch ganze 3,75 Euro.

Posted by Moritz Hanebeck on 19/08/2009

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