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Ralf Dahrendorf gestorben

In dieser Woche haben zwei Soziologen für Schlagzeilen gesorgt. Neben den Glückwünschen zum achtzigsten Geburtstag von Jürgen Habermas hat die Soziologie den Tod von Ralf Dahrendorf zu beklagen, der am 17. Juni im Alter von achtzig Jahren an Krebs starb.

Dahrendorf Dutschke in Ralf Dahrendorf gestorbenRalf Dahrendorf wurde 1929 als Sohn des SPD-Abgeordneten Gustav Dahrendorf in Hamburg geboren. Damit war ihm politisches Engagement quasi mit in die Wiege gelegt worden. Nachdem Dahrendorf zuerst 1952 seinen Doktor in Philosophie erlangte, promovierte und habilitierte er schließlich 1957 in Soziologie.

Nachdem sich Dahrendorf zunächst in der SPD und kurze Zeit auch im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) einbrachte, fand er seine politische Heimat schließlich im Liberalismus. Seit 1967 war er Mitglied der FDP. In dieser Zeit brachte ihm die öffentlichen Diskussionen mit der 68er-Bewegung breite Anerkennung und Bekanntschaft, war er doch einer der wenigen, die den Dialog mit den Studenten suchten.

1974 verließ Dahrendorf die deutsche Politik und leitete bis 1984 die London School of Economics. Nachdem er die britische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, wurde er Mitglied der Liberal Democrats an und war unter ihnen Mitglied des englischen Oberhauses.

Kurz vor seinem Tod wurde Dahrendorf von Ministerpräsident Rüdgers zum Vorsitzenden der neuen Zukunftskommission der nordrhein-westfälischen Landesregierung berufen.

Soziologisch bekannt wurde Dahrendorf vor allem durch seine Rollentheorie bekannt. Hier ist besonders der von ihm geprägte Begriff des homo sociologicus zu nennen. Das Individuum wird hier als Summe seiner sozialen Rollen verstanden, die von Normen, von Erwartungen und von sozialen Sanktionen Dritter geprägt werden.

Aber auch in der Bildungssoziologie setze Dahrendorf wichtige Akzente. So beschäftige er sich eindringlich mit dem deutschen Bildungssystem und seinen Defiziten auseinander (1965), die er als Bedrohung für die Demokratie begriff. Er lieferte damit wesentliche Argumente für die Bildungsexpansion und die Ausweitung des BAföG in den 1970er Jahren.

Einen weiteren Einblick in das Leben von Ralf Dahrendorf bietet der homo sociolocius-Blog.

Übrigens: Das Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) hat vom Zürcher Gestalter Stefan Huber exklusiv eine Schrifttype entwickeln lassen. Die neue Schrift wird den Namen “Dahrendorf” tragen. Gesehen bei Philoblog.

Posted by Moritz Hanebeck on 18/06/2009

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