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Posts from the ‘Marketing’ Category

BWL für Anfänger: Warum Schiesser wirklich pleite ging

Heute Abend in einer Münchner Gastwirtschaft. Gespräch zwischen zwei älteren Männern:

Wenn die Deutschen jeden Tag ihre Unterhosen wechseln würden, wäre Schiesser niemals pleite gegangen.

So einfach kann manchmal Betriebswirtschaft sein.

9 Jul 2009

Werbung international: Bierwerbung aus Nordkorea

Lange Zeit fragte man sich, für was im nordkoreanischen Staatsfernsehen geworben wird. Nordkorea, ein Land, in dem es keine freie Presse gibt, kaum Autos fahren, Handys und Internet verboten sind. Nach Berichten der UNO droht eine neue Hungersnot. Aber eine Diktatur, die mit 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Armeen der Welt unterhält und unbedingt Atommacht werden will, ist immer für eine Überraschung gut.

Bier soll es richten

Nun lief also kürzlich die erste Bierwerbung im kommunistischen Staatsfernsehen. Das Bier nennt sich pathetisch Stolz von Pyongyang. Es soll gut für die Gesundheit sein und Streß reduzieren. Das man damit auch gut seinen Frust über das Regime ertränken kann, wird leider nicht erwähnt. Man sieht westlich gekleidete Männer und Frauen und am Ende sogar einen LKW, eine Seltenheit in Nordkorea. Da es kaum andere Werbung bzw. überhaupt ein interessantes Fernsehprogramm gibt, ist der Spot erstaunliche 2:30 lang. Ein Traum für westliche Werbefilmer.

Fazit: Werbung in Mangelwirtschaften hat immer etwas groteskes. Der Spot enthält allerlei Effekte und ist sehr bunt. Vor allem bei der Musik besteht aber noch erheblicher Verbesserungsbedarf. Das ganze erinnert irgendwie an die singenden Hamster von früher. Aber ein erster Schritt in die richtige (Werbe-)Richtung. Prost auf den geliebten Führer Kim Jong-il!

Gesehen bei Werbeblogger.

8 Jul 2009

Twitter-Marketing Extrem: Moonfruit

Gerade bei Freshzweinull gesehen: Moonfruit, ein Webbaukasten aus Großbritannien verlost im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums zehn Macbook Pro. Teilnehmen kann jeder, der bis 10. Juli an einen Tweet den Hashtag #Moonfruit anhängt.

Moonfruit in Die ganze Werbeidee ist so erfolgreich, das es #Moonfruit zeitweise bis in die Top 10 Twitter Themen (Trending Topics) geschafft hat. Im Sekundentakt wird in Twitter eine Nachricht mit #Moonfruit veröffentlicht. Da der Hashtag einfach an einen Tweet gehängt werden muss um teilzunehmen, entstehen so oft sinnfreie Kontexte.

Die Kampagne ist ein Erfolg. Auch in anderen Blogs ist die Marketingidee ein Thema, z.B. hier, hier und hier. Allerdings sehen viele das Thema mit gemischten Gefühlen. Teilweise werden Werbefilter für Twitter ins Gespräch gebracht. Aber wer soll das bei Millionen Tweets am Tag kontrollieren?

Ist das der Beginn einer neuen Werbeflut in Twitter? Bei entsprechend sorgfältiger Auswahl der verfolgten Personen konnte man Werbung bisher recht einfach entgehen. Hashtag-Werbung lässt sich jetzt natürlich nicht mehr so leicht filtern. Mit steigenden Nutzerzahlen wird der Kommunikationskanal Twitter auch für das Marketing und Spammer immer interessanter.

Update: Twitter scheint jetzt gegen Moonfruit vorgegangen zu sein. Nachdem Moonfruit aus den Top-Themen herausgenommen wurde beendet das britische Unternehmen die umstrittene Marketing-Aktion. Twitter äußerte sich nicht zu dem Thema. Das Ende des Hashtag-Marketings?

4 Jul 2009

Erfolgreiches Marketing: McDonald’s & McCafé

Interessanter Artikel im Magazin der Süddeutschen Zeitung: Glänzende Geschäfte – warum der Umsatz von McDonald’s heute höher als jemals zuvor ist. Nach den Jahren der Krise ist McDonald’s neben Wal-Mart das einzige Top-Unternehmen der Vereinigten Staaten, das letztes Jahr im Wert gestiegen ist.

Die Auferstehung McDonald’s ist eine lehrreiche Marketing-Erfolgsgeschichte. Das Schnellrestaurant legte Mitte der 2000er-Jahre zuerst in den USA das muffige Plastik-Ambiente in seinen Restaurants ab und verordnete sich eine Lounge-Atmosphäre. Ledersessel und Holz dominieren heute die McDonald’s Filialen. Das Lebensmittelangebot wurde um gesunde weniger ungesunde Speisen erweitert. Fettreduzierte Chicken McNuggets, weniger Salz auf den Pommes frites und verschiedene Salatgerichte zeigen, McDonald’s ist mehr als nur Rindfleisch.

Mcd in Eine der wichtigsten strategischen Entscheidung für den heimischen Markt dürfte auf den Deutschland-Chef Bane Knezevic zurückgehen. Dank der nun auch in Deutschland eingeführten McCafés, spricht McDonlad’s heute auch an den umsatzschwächeren Mittagen und Nachmittagen Kunden an. Auf Kosten der Marktanteile von Starbucks & Co strömen die Großstädter in die McDonald’s-Filialen, um günstig Kaffee und Kuchen zu bestellen. Auf dem Land ist das McCafé sowieso oft der einzige Ort, um einen ordentlichen Kaffee zu bekommen. Interessanterweise spricht McDonald’s mit diesem Konzept verstärkt ältere Kunden an, die bisher eher einen großen Bogen um die Restaurants mit dem gelben M machten.

Überhaupt scheint das Schnellrestaurant von der Krise zu profitieren. In Zeiten, in denen sich immer weniger den Besuch in einem herkömmlichen Restaurant leisten können oder wollen aber trotzdem nicht auf das Auswärts-Essen verzichten wollen, kommt McDonald’s als günstige Alternative ins Spiel. Durchschnittlich 6 Euro verzehrt jeder Gast in den Restaurants des Konzerns, das reicht anderswo nicht mal für das Trinkgeld.

Zudem eignet sich McDonald’s immer weniger als Zielscheibe für den Protest von Umweltschützern und Globalisierungsgegnern. Heute arbeitet der Systemgastronom verstärkt mit lokalen Zulieferern zusammen und nimmt auf lokale Gepflogenheiten Rücksicht. Es gibt koscheres Essen in Israel und Burger ohne Rindfleisch in Indien. Für die Rinderherden werden keine Regenwälder mehr abgeholzt. Auch Ernährungsexperten und Verbraucherschützer bescheinigen McDonlad’s heute eine gute Zusammenarbeit und die Möglichkeit, eine ausgewogene Ernährung in einem der zahlreichen Franchise-Restaurants zu sich zu nehmen zu können.

Allerdings muss McDonald’s aufpassen, nicht zu sehr das eigentliche Geschäftskonzept aus den Augen zu verlieren. Einst bezeichnete sich das Schnellrestaurant als das etwas andere Restaurant, bei dem man mit den Fingern essen konnte und auf Etikette keinen Wert gelegt wurde. Die Sortimentsausweitung darf nicht zulasten der Eigenständigkeit gehen. Milch und Obst finden die Verbraucher auch im Supermarkt um die Ecke. Gegen die Bio-Konkurrenz wird sich der Großkonzern aus Illinois mit gesundem Essen kaum durchsetzen können.

Trotz allem hat es McDonals’s aber geschafft, sich neu zu positionieren. Dank eines hochwertigeren Auftritts ist es heute keine Schande mehr, bei McDonals’s zu essen oder in einem der vielen McCafés einen Kaffee zu trinken oder einen Kuchen zu bestellen. Bane Knezevic hat neue Kundenkreise angesprochen und den Wettbewerbern Marktanteile abgenommen (Burger King), selbst solchen, die gar nicht mit der Konkurrenz von McDonald’s rechneten (Starbucks).

Weiterlesen: Portrait über Bane Knezevic auf FTD.de und ein Interview im Tagesspiegel über das Marketing-Konzept von Mc Donald’s Deutschland.

27 Jun 2009

Mein Blog ist jetzt CO2-neutral

Wussten Sie, dass ein Blog jährlich 3,6 kg CO2 produziert? Nein? Ich auch nicht. Bis heute. Dank Roland Kopp-Wichmann und seinem lesenswerten Persönlichkeits-Blog ist mir jetzt bewusst, dass pro Seitenaufruf ein CO2-Ausstoß von ca. 0,02 g CO2 verursacht wird. Das liegt vor allem an dem enormen Strombedarf, den Servern und entsprechende Kühlgeräte haben. Gut das Kopp-Wichmann gleich eine Lösung präsentiert:

CO2-neutral-weiss in Die CO2-neutral-Aktion von kaufDA.de. In Zusammenarbeit mit I Plant a Tree wird für jeden teilnehmenden Blog ein Baum gepflanzt. Damit sollen die CO2-Emissionen, die aus dem Betreiben der Website entstehen, neutralisiert werden. Zwar ist nicht ganz sicher, wie viel CO2 ein Baum tatsächlich absorbiert; die UNO geht davon aus, dass ein Baum pro Jahr etwa 10 kg CO2 aufnimmt. kaufDA.de rechnet mit 5 kg. Bei einer Lebenserwartung von 50 Jahren wird der CO2-Ausstoß eines Blogs in diesen Zeitraum durch einen Baum komplett neutralisiert.

Wer noch mehr Gutes tun möchte kann ebenfalls auf kaufDA.de kostenlos einen “Bitte keine Werbung”-Sticker für den eigenen Briefkasten bestellen. Der durchschnittliche Deutsche verbraucht jedes Jahr 250 kg Papier. Davon sind alleine 33 kg Werbeprospekten, die im Briefkasten landen und anschließend weggeworfen werden. Ziel der Aktion ist es 1.000.000 Aufkleber zu verschicken und damit symbolisch 1.000.000 Bäume zu retten.

Kaufda in Das Ganze macht kaufDA.de natürlich nicht ganz uneigennützig, denn kaufDA.de ist ein Startup, das im August 2008 von den vier Studenten gegründet wurde. Die Geschäftsidee ist, Verbrauchern mit einer Onlineplattform lokales Einkaufen vor Ort zu erleichtern. Auf der Seite finden sich eine Karte mit Geschäften und Supermärkten in der Umgebung des Nutzers. Beim Klick auf einen der Läden in der Nähe erfährt der Nutzer nicht nur die Entfernung sondern kann sich online auch den aktuellen Prospekt ansehen. Mein erster Eindruck ist durchaus positiv. Alle bekannten Filialketten, Kaufhäuser und Supermärkte werden aufgeführt.

Die Sticker-Aktion zusammen mit der CO2-neutral-Kampagne kann ein erfolgreiches Marketingkonzept werden. Wie andere (z.B. Krombacher Regenwaldprojekt) vorgemacht haben liegt Social-Marketing im Trend. Die großen Handelsketten beteiligen sich größtenteils an kaufDA.de, der Verbraucher profitiert also von der Plattform, da er alle relevanten Angebote übersichtlich präsentiert bekommt. Ein interessantes Konzept, da der Käufer im Netz abholt wird und zum Offline-Kauf animiert werden soll. Back to the roots also.

Insgesamt ein gutes Beispiel für eine Online-Social-Marketing-Kampagne. Ob damit wirklich Papier eingespart werden wird, bleibt aber abzuwarten. Auf deutsche-startups.de findet sich übrigens ein kurzes Interview mit Cihan Aksakal, einem der Gründer von kaufDA.de.

25 Jun 2009