Skip to content

Archive for Juni, 2009

Soziologie 2050 – Wie sieht die Zukunft aus?

Ab Montag, 29. Juni, werden auf homosociologicus.de die Gewinner-Beiträge des Essay-Wettbewerbs  “Soziologie 2050 – Wie sieht die Soziologie der Zukunft aus?” veröffentlicht. Die besten Aufsätze werden in den kommenden Wochen jeweils am Montag auf den Seiten des Blogs veröffentlicht.

Der erste Beitrag stammt von Sebastian Knecht. Sein Essay trägt den Titel “Bühnen des Handelns im technologisierten 21. Jahrhundert. Die Soziologie als Theaterwissenschaft”. Wie lässt sich Goffman in einer technisierten und zunehmend virtuellen Gesellschaft anwenden?

Ich denke, es werden einige lesenswerte Aufsätze dabei sein. Ein Projekt, das einen soziologischen Blick auf eine turbulente Zukunft wirft.

29 Jun 2009

Erfolgreiches Marketing: McDonald’s & McCafé

Interessanter Artikel im Magazin der Süddeutschen Zeitung: Glänzende Geschäfte – warum der Umsatz von McDonald’s heute höher als jemals zuvor ist. Nach den Jahren der Krise ist McDonald’s neben Wal-Mart das einzige Top-Unternehmen der Vereinigten Staaten, das letztes Jahr im Wert gestiegen ist.

Die Auferstehung McDonald’s ist eine lehrreiche Marketing-Erfolgsgeschichte. Das Schnellrestaurant legte Mitte der 2000er-Jahre zuerst in den USA das muffige Plastik-Ambiente in seinen Restaurants ab und verordnete sich eine Lounge-Atmosphäre. Ledersessel und Holz dominieren heute die McDonald’s Filialen. Das Lebensmittelangebot wurde um gesunde weniger ungesunde Speisen erweitert. Fettreduzierte Chicken McNuggets, weniger Salz auf den Pommes frites und verschiedene Salatgerichte zeigen, McDonald’s ist mehr als nur Rindfleisch.

Mcd in Erfolgreiches Marketing: McDonalds & McCaféEine der wichtigsten strategischen Entscheidung für den heimischen Markt dürfte auf den Deutschland-Chef Bane Knezevic zurückgehen. Dank der nun auch in Deutschland eingeführten McCafés, spricht McDonlad’s heute auch an den umsatzschwächeren Mittagen und Nachmittagen Kunden an. Auf Kosten der Marktanteile von Starbucks & Co strömen die Großstädter in die McDonald’s-Filialen, um günstig Kaffee und Kuchen zu bestellen. Auf dem Land ist das McCafé sowieso oft der einzige Ort, um einen ordentlichen Kaffee zu bekommen. Interessanterweise spricht McDonald’s mit diesem Konzept verstärkt ältere Kunden an, die bisher eher einen großen Bogen um die Restaurants mit dem gelben M machten.

Überhaupt scheint das Schnellrestaurant von der Krise zu profitieren. In Zeiten, in denen sich immer weniger den Besuch in einem herkömmlichen Restaurant leisten können oder wollen aber trotzdem nicht auf das Auswärts-Essen verzichten wollen, kommt McDonald’s als günstige Alternative ins Spiel. Durchschnittlich 6 Euro verzehrt jeder Gast in den Restaurants des Konzerns, das reicht anderswo nicht mal für das Trinkgeld.

Zudem eignet sich McDonald’s immer weniger als Zielscheibe für den Protest von Umweltschützern und Globalisierungsgegnern. Heute arbeitet der Systemgastronom verstärkt mit lokalen Zulieferern zusammen und nimmt auf lokale Gepflogenheiten Rücksicht. Es gibt koscheres Essen in Israel und Burger ohne Rindfleisch in Indien. Für die Rinderherden werden keine Regenwälder mehr abgeholzt. Auch Ernährungsexperten und Verbraucherschützer bescheinigen McDonlad’s heute eine gute Zusammenarbeit und die Möglichkeit, eine ausgewogene Ernährung in einem der zahlreichen Franchise-Restaurants zu sich zu nehmen zu können.

Allerdings muss McDonald’s aufpassen, nicht zu sehr das eigentliche Geschäftskonzept aus den Augen zu verlieren. Einst bezeichnete sich das Schnellrestaurant als das etwas andere Restaurant, bei dem man mit den Fingern essen konnte und auf Etikette keinen Wert gelegt wurde. Die Sortimentsausweitung darf nicht zulasten der Eigenständigkeit gehen. Milch und Obst finden die Verbraucher auch im Supermarkt um die Ecke. Gegen die Bio-Konkurrenz wird sich der Großkonzern aus Illinois mit gesundem Essen kaum durchsetzen können.

Trotz allem hat es McDonals’s aber geschafft, sich neu zu positionieren. Dank eines hochwertigeren Auftritts ist es heute keine Schande mehr, bei McDonals’s zu essen oder in einem der vielen McCafés einen Kaffee zu trinken oder einen Kuchen zu bestellen. Bane Knezevic hat neue Kundenkreise angesprochen und den Wettbewerbern Marktanteile abgenommen (Burger King), selbst solchen, die gar nicht mit der Konkurrenz von McDonald’s rechneten (Starbucks).

Weiterlesen: Portrait über Bane Knezevic auf FTD.de und ein Interview im Tagesspiegel über das Marketing-Konzept von Mc Donald’s Deutschland.

27 Jun 2009

Mein Blog ist jetzt CO2-neutral

Wussten Sie, dass ein Blog jährlich 3,6 kg CO2 produziert? Nein? Ich auch nicht. Bis heute. Dank Roland Kopp-Wichmann und seinem lesenswerten Persönlichkeits-Blog ist mir jetzt bewusst, dass pro Seitenaufruf ein CO2-Ausstoß von ca. 0,02 g CO2 verursacht wird. Das liegt vor allem an dem enormen Strombedarf, den Servern und entsprechende Kühlgeräte haben. Gut das Kopp-Wichmann gleich eine Lösung präsentiert:

CO2-neutral-weiss in Mein Blog ist jetzt CO2-neutralDie CO2-neutral-Aktion von kaufDA.de. In Zusammenarbeit mit I Plant a Tree wird für jeden teilnehmenden Blog ein Baum gepflanzt. Damit sollen die CO2-Emissionen, die aus dem Betreiben der Website entstehen, neutralisiert werden. Zwar ist nicht ganz sicher, wie viel CO2 ein Baum tatsächlich absorbiert; die UNO geht davon aus, dass ein Baum pro Jahr etwa 10 kg CO2 aufnimmt. kaufDA.de rechnet mit 5 kg. Bei einer Lebenserwartung von 50 Jahren wird der CO2-Ausstoß eines Blogs in diesen Zeitraum durch einen Baum komplett neutralisiert.

Wer noch mehr Gutes tun möchte kann ebenfalls auf kaufDA.de kostenlos einen “Bitte keine Werbung”-Sticker für den eigenen Briefkasten bestellen. Der durchschnittliche Deutsche verbraucht jedes Jahr 250 kg Papier. Davon sind alleine 33 kg Werbeprospekten, die im Briefkasten landen und anschließend weggeworfen werden. Ziel der Aktion ist es 1.000.000 Aufkleber zu verschicken und damit symbolisch 1.000.000 Bäume zu retten.

Kaufda in Mein Blog ist jetzt CO2-neutralDas Ganze macht kaufDA.de natürlich nicht ganz uneigennützig, denn kaufDA.de ist ein Startup, das im August 2008 von den vier Studenten gegründet wurde. Die Geschäftsidee ist, Verbrauchern mit einer Onlineplattform lokales Einkaufen vor Ort zu erleichtern. Auf der Seite finden sich eine Karte mit Geschäften und Supermärkten in der Umgebung des Nutzers. Beim Klick auf einen der Läden in der Nähe erfährt der Nutzer nicht nur die Entfernung sondern kann sich online auch den aktuellen Prospekt ansehen. Mein erster Eindruck ist durchaus positiv. Alle bekannten Filialketten, Kaufhäuser und Supermärkte werden aufgeführt.

Die Sticker-Aktion zusammen mit der CO2-neutral-Kampagne kann ein erfolgreiches Marketingkonzept werden. Wie andere (z.B. Krombacher Regenwaldprojekt) vorgemacht haben liegt Social-Marketing im Trend. Die großen Handelsketten beteiligen sich größtenteils an kaufDA.de, der Verbraucher profitiert also von der Plattform, da er alle relevanten Angebote übersichtlich präsentiert bekommt. Ein interessantes Konzept, da der Käufer im Netz abholt wird und zum Offline-Kauf animiert werden soll. Back to the roots also.

Insgesamt ein gutes Beispiel für eine Online-Social-Marketing-Kampagne. Ob damit wirklich Papier eingespart werden wird, bleibt aber abzuwarten. Auf deutsche-startups.de findet sich übrigens ein kurzes Interview mit Cihan Aksakal, einem der Gründer von kaufDA.de.

25 Jun 2009

Eine Woche Bildungsstreik – ein Fazit

Vom 15. bis 19. Juni 2009 fand in über 70 Städten der bundesweite Bildungsstreik 2009 statt. Unterstützt wurden die Teilnehmer dabei auch von den Gewerkschaften ver.di, GEW, DGB und zahlreichen weiteren Gruppen und Vereinigungen. Höhepunkt der Streikwoche war Mittwoch, der 17. Juni, als in zahlreichen Städten Großdemonstrationen organisiert wurden. Laut Streikbündnis nahmen dabei über 270.000 Schüler und Studenten teil.

Bildungsstreik Logo in Eine Woche Bildungsstreik - ein FazitHier in München, vor der LMU, hatten die Studenten ein provisorisches Zeltlager aufgebaut. Eines der Hauptthemen war die Kritik an der Einführung des Bologna-Prozesses. Vor allem die Unzufriedenheit mit den neuen Bachelor-Studiengängen wurde deutlich. Mehr Mitbestimmung und eine bessere personelle Ausstattung der Hochschulen sei das Ziel.

Auch gegen die hohen finanziellen Belastungen der Studenten durch die Studiengebühren regte sich lautstarker Protest. Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, belagerten etwa 30 Schüler und Studenten die Dresdner Bank in der Münchner Innenstadt. Die Demonstranten verlangten eine persönliche Beratung zum Thema Bildungskredit. Erhalten haben die Protestler dagegen Werbebroschüren, die den zu zahlenden Zinssatz von 2 bis 7 % weitestgehend verschwieg.

Aufseiten der Schülerschaft richtete sich der Protest neben der Dreigliedrigkeit des Schulsystems vor allem gegen die Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren an den Gymnasien. Das G8 wird bis 2011 flächendeckend in Bayern und bis 2016 in allen Bundesländern eingeführt sein. Die Schüler beklagten, dass durch den Nachmittagsunterricht kaum noch Zeit für Sport und andere Hobbys bleibt. Ein Umstand, den auch immer mehr Vereine und Verbände zu spüren bekommen. Neben der Teilnahme an der Großdemonstration setzten die Schüler symbolisch das Willi-Graf-Gymnasium unter Quarantäne, um auf ein krank machendes Schulsystem hinzuweisen.

Die Reaktionen auf den Bildungsstreik ließen nicht lange auf sich Warten. So verurteilte der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) die Proteste der Schüler unter dem Motto „Ideen statt Randale“ und verteidigte die Einführung des G8. Die rasche Umstellung sei notwendig gewesen, um einem übermäßigen Zuzug von Schülern aus Nachbarländern zuvorzukommen. Allerdings räumte der RCDS ein, dass dabei auch Fehler gemacht worden seien.

Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) stellte sich gegen die Proteste und bezeichnete die Demonstrationen als „zum Teil gestrig“ und betonte, dass wir in Deutschland „so viele Chancen für junge Leute haben wie nie zu vor“. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass Schavan an der Aktuellen Stunde des Bundestages zum Thema Bildungsstreik nicht teilnahm. Dabei zog sich die Bildungsministerin vor allem den Unmut von SPD, Grünen und der Linken zu, die sich zu Forderung der Schüler und Studenten bekannten.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) sah ebenfalls keinen Grund den Bildungsstreik auf die Tagesordnung ihrer Plenarsitzung am 18. Juni zu setzen. Allerdings traf man sich anschließend mit Vertretern der Studenten. Der Präsident der KMK, Henry Tesch, bot weitere Gespräche an.

Fazit: Was bleibt? Zuerst die Einsicht, dass es nicht nur in Frankreich möglich ist, Schüler und Studenten zu Meinungsäußerung und Protest zu motivieren. 270.000 Teilnehmer sind zwar in Anbetracht von fast 2.000.000 Studenten nicht viel, aber die Teilnehmer habe es geschafft, sich über die Medien gehör zu verschaffen. Von der Politik wird in Zukunft mehr Dialogbereitschaft gefordert sein, schließlich sind Studenten auch Wähler. Die Bedeutung von Bildungspolitik im Wahlkampf wird zunehmen.

Mit jedem weiteren Bundesland, das auf G8 umstellt, ist mit weiteren unzufriedenen Schülern, Eltern und Lehrern zu rechnen, die potentielle Mitdemonstranten werden. Da aus den doppelten Abiturjahrgängen ein halbes Jahr später auch doppelt so viele Studenten an die Universitäten strömen, ist Ärger an den Hochschulen vorprogrammiert. Studiengebühren und rigide Quotenregelungen beim Übergang von Bachelor zum Master sind weitere strittige Punkte. Die Organisatoren des Bildungsstreiks haben bereits neue Proteste angekündigt.

22 Jun 2009

Ralf Dahrendorf gestorben

In dieser Woche haben zwei Soziologen für Schlagzeilen gesorgt. Neben den Glückwünschen zum achtzigsten Geburtstag von Jürgen Habermas hat die Soziologie den Tod von Ralf Dahrendorf zu beklagen, der am 17. Juni im Alter von achtzig Jahren an Krebs starb.

Dahrendorf Dutschke in Ralf Dahrendorf gestorbenRalf Dahrendorf wurde 1929 als Sohn des SPD-Abgeordneten Gustav Dahrendorf in Hamburg geboren. Damit war ihm politisches Engagement quasi mit in die Wiege gelegt worden. Nachdem Dahrendorf zuerst 1952 seinen Doktor in Philosophie erlangte, promovierte und habilitierte er schließlich 1957 in Soziologie.

Nachdem sich Dahrendorf zunächst in der SPD und kurze Zeit auch im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) einbrachte, fand er seine politische Heimat schließlich im Liberalismus. Seit 1967 war er Mitglied der FDP. In dieser Zeit brachte ihm die öffentlichen Diskussionen mit der 68er-Bewegung breite Anerkennung und Bekanntschaft, war er doch einer der wenigen, die den Dialog mit den Studenten suchten.

1974 verließ Dahrendorf die deutsche Politik und leitete bis 1984 die London School of Economics. Nachdem er die britische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, wurde er Mitglied der Liberal Democrats an und war unter ihnen Mitglied des englischen Oberhauses.

Kurz vor seinem Tod wurde Dahrendorf von Ministerpräsident Rüdgers zum Vorsitzenden der neuen Zukunftskommission der nordrhein-westfälischen Landesregierung berufen.

Soziologisch bekannt wurde Dahrendorf vor allem durch seine Rollentheorie bekannt. Hier ist besonders der von ihm geprägte Begriff des homo sociologicus zu nennen. Das Individuum wird hier als Summe seiner sozialen Rollen verstanden, die von Normen, von Erwartungen und von sozialen Sanktionen Dritter geprägt werden.

Aber auch in der Bildungssoziologie setze Dahrendorf wichtige Akzente. So beschäftige er sich eindringlich mit dem deutschen Bildungssystem und seinen Defiziten auseinander (1965), die er als Bedrohung für die Demokratie begriff. Er lieferte damit wesentliche Argumente für die Bildungsexpansion und die Ausweitung des BAföG in den 1970er Jahren.

Einen weiteren Einblick in das Leben von Ralf Dahrendorf bietet der homo sociolocius-Blog.

Übrigens: Das Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) hat vom Zürcher Gestalter Stefan Huber exklusiv eine Schrifttype entwickeln lassen. Die neue Schrift wird den Namen „Dahrendorf“ tragen. Gesehen bei Philoblog.

18 Jun 2009