Soziologie
Die Soziologie ist ein relativ junges akademisches Lehrfach, das seit Ende 19. Jahrhunderts als eigenständige Wissenschaft anerkannt ist. Seit den 1970er Jahren erlebt sie einen zunehmenden Aufstieg an den Hochschulen. Heute kann Soziologie an fast jeder deutschen Universität studiert werden. Trotz dieses Erfolges können viele Menschen immer noch wenig mit dieser Wissenschaft anfangen. Stattdessen halten sich Mythen, wie der Taxi-fahrende Soziologie hartnäckig. Dabei behaupten sich heute Soziologen erfolgreicher den je auf dem Arbeitsmarkt. Ein besonderes Verständnis für soziale, politische und wirtschaftliche Zusammenhänge, methodische Qualifikationen und Kenntnisse in Statistik zeichnen sie aus.
Was ist Soziologie?

Universität Bielefeld: Einzige Fakultät für Soziologie in Deutschland
Laut Lexikon der Soziologie ist sie zunächst einmal die Wissenschaft, die mit disziplineigenen Begriffen, Theorien und Methoden Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammenhänge der Gesellschaft beschreibt und erklärt. Im Gegensatz zu anderen Sozialwissenschaften, die bestimmte Bereiche des Sozialen unter spezifischen Aspekten untersuchen, ist Soziologie die Wissenschaft, die sich mir allen Formen menschlichen Zusammenlebens in der Gesellschaft beschäftigt. Grundfragen sind hier Sinn und Strukturen des sozialen Handelns und die Werte und Normen, die Handlungen regulieren. Neben der Gesellschaft als Untersuchungsgebiet analysiert die Soziologie auch Teilbereiche: soziale Systeme, Organisationen und Gruppen. Konkrete Themen sind z.B. Arbeit, Geschlecht, Kommunikation oder Migration. Daher kann die Soziologie auf aktuelle Probleme wie zunehmende Ungleichheit, gesellschaftlichen Wandel und andere soziale Konflikte Antworten liefern.
Qualitative Forschung
Zur Untersuchung vieler soziologischer Fragestellungen ist die Erhebung und Auswertung qualitativer Daten notwendig. Unter qualitativer Forschung versteht man die Methoden zur Erhebung nicht standardisierter Daten und deren interpretative Auswertung. Unstandardisierte Daten können Interviews, Beobachtungsprotokolle oder Tagebuchaufzeichnungen sein. Ort der Untersuchung ist die von Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern geteilte Lebenswelt, in der der untersuchte Gegenstand immer schon durch die Untersuchten und Befragten vorstrukturiert und damit reflexiv ist. Die Soziologie ist sich dessen bewusst und betont den offenen Charakter der Datenerhebung und den interpretativen Spielraum der Datenauswertung. Qualitative Verfahren werden vor allem benutzt, wenn der Untersuchungsgegenstand noch weitestgehend unbekannt ist. So lassen sich leichter erste Hypothesen ableiten. Aufgrund der aufwendigen Auswertung wird in der Regel nur mit sehr kleinen Fallzahlen gearbeitet. Oft sind daher nur bedingt repräsentativen Ergebnisse zu erzielen. Andererseits können bestimmte gesellschaftliche Phänomene nicht ohne qualitative Forschung untersucht werden, weil sie sich durch standardisierte Methoden nur unzureichend abbilden lassen.
Quantitative Forschung

Institut für Soziologie der LMU
Quantitative Sozialforschung hat zum Ziel, gesellschaftliche Sachverhalte numerisch darzustellen. Es werden also zählbare Eigenschaften gemessen. Die häufigsten Datenerhebungsmethoden sind Interview-Befragungen, Experimente und die Inhaltsanalyse. In der Praxis wird quantitative Forschung oft in der Analyse von Wahlergebnissen und Markt- und Meinungsforschung angewendet. Quantitative Methoden setzen immer zu überprüfende Hypothesen voraus, d.h., über den zu untersuchenden Sachverhalt müssen schon gewisse Vorkenntnisse vorhanden sein. Dies kann problematisch sein, wenn mit falschen oder zu wenig Vorannahmen das Forschungsdesign geplant wird. In repräsentativen Umfragen werden Befragte zumeist in einer Stichprobe ausgewählt, da es i.d.R. nicht möglich ist, die Grundgesamtheit eines Untersuchungsgegenstandes, etwa die Gesamtbevölkerung zu untersuchen. Die Auswertung qualitativer Daten erfolgt softwareunterstützt. Dabei werden statistische Kenngrößen, wie Lagemaße (z.B. Mittelwerte) und Streuungsmaße, die angeben wie stark zwei betrachtete Merkmale miteinander korrelieren, vergleichen.
Soziologen auf dem Arbeitsmarkt
Heute sind Soziologen auf dem Arbeitsmarkt etwas ganz Normales geworden. Die Arbeitsmarktentwicklung für Soziologen unterscheidet sich kaum von der Situation anderer Absolventen. Neben einer Anstellung in der wissenschaftlichen Sozialforschung oder in Forschungsinstituten arbeiten immer mehr Soziologen auch außerhalb der Universitäten erfolgreich. Hier sind vor allem die Industrie, der Dienstleistungs-Sektor, die Medien und Öffentlichkeitsarbeit zu nennen. Auch in der öffentlichen Verwaltung, in Parteien und Verbänden finden Soziologen Beschäftigung. Fundierte Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft, sowie Berufserfahrungen neben dem Studium helfen beim Berufseinstieg. Es ist daher empfehlenswert, sich schon während des Studiums mit Praktikas und Nebentätigkeiten in eine gewünschte Richtung zu spezialisieren, z.B. Marketing, Projektmanagement oder PR.

































































