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Posts tagged ‘Soziologie’

Albert Einstein über Wissen

Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

19 Mai 2010

Benedikt Erenz zum Zustand der deutschen Innenstädte

Benedikt Erenz in der Zeit 37/2009:

Die alten Geschäfte sind vertrieben, stattdessen Kettenläden, Handyhöker, Nice Scheiß und Wurstbrot to go.

22 Sep 2009

Der Bologna-Prozess: Reform oder Misere?

Heute bin via François Bry auf einen interessanten Artikel in der Süddeutschen Zeitung aufmerksam gemacht worden. Darin zieht Robert Stockhammer, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften an der LMU München, ein negatives Fazit über die Umsetzung des Bologna-Prozesses. „Die Bachelor-Misere“ ist eine Antwort auf den ArtikelSchämt euch!“ von Wolfgang Seibel, Politik- und Verwaltungswissenschaftler an der Universität Konstanz und an der Hertie School of Governance Berlin. Ich habe beide Positionen miteinander verglichen.

Bologna Prozess in Das Ziel des Bologna-Prozesses ist bekanntlich, ein einheitliches europäisches Hochschulwesen bis zum Jahr 2010 zu schaffen. Die Bildungsminister von 29 europäischen Nationen beschlossen, ein zweistufiges Abschlusssystem einzuführen, die Bachelor- und Master-Abschlüsse. Durch die Vereinheitlichung der universitären Strukturen soll die Mobilität zwischen Hochschulen und verschiedenen Ländern gefördert werden.

Seibel beklagt in seinem Artikel, es gehöre mittlerweile unter Professoren zum guten Ton, gegen die Reform zu sein. Dies gelte vor allem für die Geisteswissenschaften. Zudem kritisiert Seibel Uni-Bedienstete, die sich solidarisch mit den streikenden Studenten des Bildungsstreiks zeigten. Das Hauptproblem liege laut Seibel, in der mangelhaften Bereitschaft sich mit den Inhalten des Bologna-Prozesses auseinanderzusetzen. Stattdessen höre man immer wieder die gleichen Kritikpunkte: Verschulung des Studiums, ausbleibende Internationalisierung, Einschränkung der Mobilität, fehlender Praxisbezug und unsachgemäße Verwendung von Studiengebühren (oder überhaupt deren Erhebung).

Stockhammer sieht diesen Punkt gar nicht so verschiedenen. Auch er ist der Meinung, das ständige Klagen bringe nichts. Statt dessen gebe es durchaus Vorteile in der neuen Modul-Struktur an den Universitäten. So könnten dank der Module zwei oder mehr Veranstaltungen besser miteinander verzahnt werden. Allerdings, so schränkt er ein, könne man nicht die Vorteile der Module auf alle Studiengänge übertragen. Einige seinen besser dafür geeignet, andere weniger. Leider bestehe für Flexibilität in der Umsetzung kein Spielraum.

Seibel sieht das anderes. Es schreibt, schon vor der Einführung der Modul hätten gute Hochschule ihren Studenten sinnvolle Strukturen geboten. Allerdings sieht er hier an vielen Universitäten Nachholbedarf. „Ein professioneller Studienbetrieb auf hohem wissenschaftlichen Niveau, in dem zunächst einmal die Lehrenden Mindeststandards von Organisation und Betreuung der Studierenden erfüllen müssen, ist fordernd.“ Dazu gehöre auch ein unterstützendes Angebot von Übungen und Tutorien, zugänglichen und gut ausgestatteten Bibliotheken und eine durchgehende Soziologie, BildungspoBewertung aller Lehrveranstaltungen durch die Studenten. Punkte, die dank Bologna-Prozess allmählich an den Universitäten eingeführt werden.

Stockhammer sieht das Hauptproblem in der Macht der Univerwaltungen. „Die Stabsstellen, Rechtsabteilungen und Prüfungsämter nutzen den Spielraum zur Spielraumverengung, und damit bleibt den Professoren kein Spielraum mehr.“ Jegliche Eigenständigkeit würde im Keim erstickt. Die Lehrbeauftragten bekämen rigide, von allen fachlichen Erwägungen erfolgreich befreite Schemata vorgesetzt, an denen es nichts zu rütteln gebe. So kommt es, das einzelne Hochschulen zweisemestrige Module anbieten, andere haben sich für viersemestrige entschieden. Auch bei den ECTS-(Leistungs-)Punkten herrscht Uneinigkeit. Jede Hochschule in Deutschland regelt die Umsetzung der Reform nach eigenen Vorstellungen. Ein einheitlicher Hochschulraum Europa sieht anders aus.

Diesen Punkt sieht Seibel ähnlich, gibt aber nicht dem Bologna-Prozess die Schuld an den Problemen. Niemand habe die Universitäten gezwungen, „die Module ihrer Studiengänge zu hermetisch abgeschlossenen Lehrkontingenten auszubetonieren. Eher haben sich Fachbereiche einen solchen Unsinn von Akkreditierungskommissionen einreden lassen.“ Hier seinen die Fachbereiche gefordert, zum Wohl der Studenten einheitliche Regelungen zu treffen. Es gebe durchaus positive Beispiele von Fakultäten, die ihren Studenten den Wechsel innerhalb Deutschlands oder ein Auslandssemester besonders leicht machen. Seibel kritisiert hier Universitäten, die ihren Studenten mutwillig Steine in den Weg legten und dafür auch noch Studiengebühren verlangten.

Ein weiteres Problem sieht Stockmeier in der zeitlichen Verdichtung des Studiums. Das für ein Studium notwendige Arbeitspensum entspreche jetzt einem 40-Stunden-Job mit nur sechs Wochen Jahresurlaub. Hausarbeiten, die in einigen Studiengängen eine wichtige Ausbildungsleistung darstellten, könnten kaum noch geschrieben werden, da für die Professoren keine mehr Zeit zum Lesen bleibt. Schließlich müssen die ECTS-Punkte fristgerecht dem elektronischen Punktekonto gut geschrieben werden. Zum Abschluss seines Artikels solidarisiert sich Stockmeier mit seinen streikenden Studenten. Es sieht für seinen Fachbereich kaum Vorteile aus der Umsetzung des Bologna-Prozesses.

Seibel zieht ein versöhnlicheres Fazit. „Die besseren Universitäten beweisen schon heute ihre Fähigkeit, sich im Wettbewerb des europäischen Hochschulraums mit attraktiven Bachelor- und Master-Studiengängen zu behaupten.“ Viel mehr sieht Seibel das Problem in einer drohenden zwei-Klassen-Hochschullandschaft aus Universitäten, die die Reform sinnvoll zum Wohl der Studenten umgesetzt hätten und mittelmäßigen Universitäten, die die gebotenen Chancen nicht ergriffen haben.

Fazit: Natürlich haben beide recht. Das Hauptproblem, unter dem Professoren und Studenten gleichermaßen leiden, ist die unterschiedliche Umsetzung der Reform. Selbst innerhalb gleicher Bundesländer herrschen teilweise unvereinbare Unterschiede. Die Hochschulen haben den von der Politik bereitgestellten Freiraum bei der Einführung des Bologna-Prozesses ausgenutzt, nicht immer ganz im Sinn der Reform. Mobilität ist so nicht immer möglich. Es gibt Studiengänge, die besser mit dem Modul-System harmonieren als andere. Daher auch die unterschiedliche Beurteilung der Reform zwischen Literaturwissenschaftler und Politik- und Verwaltungswissenschaftler. Hier wäre mehr Flexibilität gefragt.

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2 Jul 2009

Soziologie 2050 – Wie sieht die Zukunft aus?

Ab Montag, 29. Juni, werden auf homosociologicus.de die Gewinner-Beiträge des Essay-Wettbewerbs  “Soziologie 2050 – Wie sieht die Soziologie der Zukunft aus?” veröffentlicht. Die besten Aufsätze werden in den kommenden Wochen jeweils am Montag auf den Seiten des Blogs veröffentlicht.

Der erste Beitrag stammt von Sebastian Knecht. Sein Essay trägt den Titel “Bühnen des Handelns im technologisierten 21. Jahrhundert. Die Soziologie als Theaterwissenschaft”. Wie lässt sich Goffman in einer technisierten und zunehmend virtuellen Gesellschaft anwenden?

Ich denke, es werden einige lesenswerte Aufsätze dabei sein. Ein Projekt, das einen soziologischen Blick auf eine turbulente Zukunft wirft.

29 Jun 2009

Eine Woche Bildungsstreik – ein Fazit

Vom 15. bis 19. Juni 2009 fand in über 70 Städten der bundesweite Bildungsstreik 2009 statt. Unterstützt wurden die Teilnehmer dabei auch von den Gewerkschaften ver.di, GEW, DGB und zahlreichen weiteren Gruppen und Vereinigungen. Höhepunkt der Streikwoche war Mittwoch, der 17. Juni, als in zahlreichen Städten Großdemonstrationen organisiert wurden. Laut Streikbündnis nahmen dabei über 270.000 Schüler und Studenten teil.

Bildungsstreik Logo in Hier in München, vor der LMU, hatten die Studenten ein provisorisches Zeltlager aufgebaut. Eines der Hauptthemen war die Kritik an der Einführung des Bologna-Prozesses. Vor allem die Unzufriedenheit mit den neuen Bachelor-Studiengängen wurde deutlich. Mehr Mitbestimmung und eine bessere personelle Ausstattung der Hochschulen sei das Ziel.

Auch gegen die hohen finanziellen Belastungen der Studenten durch die Studiengebühren regte sich lautstarker Protest. Um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, belagerten etwa 30 Schüler und Studenten die Dresdner Bank in der Münchner Innenstadt. Die Demonstranten verlangten eine persönliche Beratung zum Thema Bildungskredit. Erhalten haben die Protestler dagegen Werbebroschüren, die den zu zahlenden Zinssatz von 2 bis 7 % weitestgehend verschwieg.

Aufseiten der Schülerschaft richtete sich der Protest neben der Dreigliedrigkeit des Schulsystems vor allem gegen die Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren an den Gymnasien. Das G8 wird bis 2011 flächendeckend in Bayern und bis 2016 in allen Bundesländern eingeführt sein. Die Schüler beklagten, dass durch den Nachmittagsunterricht kaum noch Zeit für Sport und andere Hobbys bleibt. Ein Umstand, den auch immer mehr Vereine und Verbände zu spüren bekommen. Neben der Teilnahme an der Großdemonstration setzten die Schüler symbolisch das Willi-Graf-Gymnasium unter Quarantäne, um auf ein krank machendes Schulsystem hinzuweisen.

Die Reaktionen auf den Bildungsstreik ließen nicht lange auf sich Warten. So verurteilte der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) die Proteste der Schüler unter dem Motto „Ideen statt Randale“ und verteidigte die Einführung des G8. Die rasche Umstellung sei notwendig gewesen, um einem übermäßigen Zuzug von Schülern aus Nachbarländern zuvorzukommen. Allerdings räumte der RCDS ein, dass dabei auch Fehler gemacht worden seien.

Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) stellte sich gegen die Proteste und bezeichnete die Demonstrationen als „zum Teil gestrig“ und betonte, dass wir in Deutschland „so viele Chancen für junge Leute haben wie nie zu vor“. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass Schavan an der Aktuellen Stunde des Bundestages zum Thema Bildungsstreik nicht teilnahm. Dabei zog sich die Bildungsministerin vor allem den Unmut von SPD, Grünen und der Linken zu, die sich zu Forderung der Schüler und Studenten bekannten.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) sah ebenfalls keinen Grund den Bildungsstreik auf die Tagesordnung ihrer Plenarsitzung am 18. Juni zu setzen. Allerdings traf man sich anschließend mit Vertretern der Studenten. Der Präsident der KMK, Henry Tesch, bot weitere Gespräche an.

Fazit: Was bleibt? Zuerst die Einsicht, dass es nicht nur in Frankreich möglich ist, Schüler und Studenten zu Meinungsäußerung und Protest zu motivieren. 270.000 Teilnehmer sind zwar in Anbetracht von fast 2.000.000 Studenten nicht viel, aber die Teilnehmer habe es geschafft, sich über die Medien gehör zu verschaffen. Von der Politik wird in Zukunft mehr Dialogbereitschaft gefordert sein, schließlich sind Studenten auch Wähler. Die Bedeutung von Bildungspolitik im Wahlkampf wird zunehmen.

Mit jedem weiteren Bundesland, das auf G8 umstellt, ist mit weiteren unzufriedenen Schülern, Eltern und Lehrern zu rechnen, die potentielle Mitdemonstranten werden. Da aus den doppelten Abiturjahrgängen ein halbes Jahr später auch doppelt so viele Studenten an die Universitäten strömen, ist Ärger an den Hochschulen vorprogrammiert. Studiengebühren und rigide Quotenregelungen beim Übergang von Bachelor zum Master sind weitere strittige Punkte. Die Organisatoren des Bildungsstreiks haben bereits neue Proteste angekündigt.

22 Jun 2009

Ralf Dahrendorf gestorben

In dieser Woche haben zwei Soziologen für Schlagzeilen gesorgt. Neben den Glückwünschen zum achtzigsten Geburtstag von Jürgen Habermas hat die Soziologie den Tod von Ralf Dahrendorf zu beklagen, der am 17. Juni im Alter von achtzig Jahren an Krebs starb.

Dahrendorf Dutschke in Ralf Dahrendorf wurde 1929 als Sohn des SPD-Abgeordneten Gustav Dahrendorf in Hamburg geboren. Damit war ihm politisches Engagement quasi mit in die Wiege gelegt worden. Nachdem Dahrendorf zuerst 1952 seinen Doktor in Philosophie erlangte, promovierte und habilitierte er schließlich 1957 in Soziologie.

Nachdem sich Dahrendorf zunächst in der SPD und kurze Zeit auch im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) einbrachte, fand er seine politische Heimat schließlich im Liberalismus. Seit 1967 war er Mitglied der FDP. In dieser Zeit brachte ihm die öffentlichen Diskussionen mit der 68er-Bewegung breite Anerkennung und Bekanntschaft, war er doch einer der wenigen, die den Dialog mit den Studenten suchten.

1974 verließ Dahrendorf die deutsche Politik und leitete bis 1984 die London School of Economics. Nachdem er die britische Staatsangehörigkeit angenommen hatte, wurde er Mitglied der Liberal Democrats an und war unter ihnen Mitglied des englischen Oberhauses.

Kurz vor seinem Tod wurde Dahrendorf von Ministerpräsident Rüdgers zum Vorsitzenden der neuen Zukunftskommission der nordrhein-westfälischen Landesregierung berufen.

Soziologisch bekannt wurde Dahrendorf vor allem durch seine Rollentheorie bekannt. Hier ist besonders der von ihm geprägte Begriff des homo sociologicus zu nennen. Das Individuum wird hier als Summe seiner sozialen Rollen verstanden, die von Normen, von Erwartungen und von sozialen Sanktionen Dritter geprägt werden.

Aber auch in der Bildungssoziologie setze Dahrendorf wichtige Akzente. So beschäftige er sich eindringlich mit dem deutschen Bildungssystem und seinen Defiziten auseinander (1965), die er als Bedrohung für die Demokratie begriff. Er lieferte damit wesentliche Argumente für die Bildungsexpansion und die Ausweitung des BAföG in den 1970er Jahren.

Einen weiteren Einblick in das Leben von Ralf Dahrendorf bietet der homo sociolocius-Blog.

Übrigens: Das Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) hat vom Zürcher Gestalter Stefan Huber exklusiv eine Schrifttype entwickeln lassen. Die neue Schrift wird den Namen „Dahrendorf“ tragen. Gesehen bei Philoblog.

18 Jun 2009